Suunto Nautic Bedienungsanleitung
Gradientfaktoren
Der Gradientfaktor (GF) ist ein Parameter, mit dem du verschiedene Konservatismusstufen erzeugen kannst. GFs sind in zwei separate Parameter unterteilt, „Gradient Factor Low“ (niedriger Gradientfaktor) und „Gradient Factor High“ (hoher Gradientfaktor).
Durch die Verwendung von GF mit dem Bühlmann-Algorithmus kannst du deine Sicherheitsreserve für den Tauchgang festlegen, indem du Konservatismus hinzufügst. So kontrollierst du, wann verschiedene Gewebekompartimente ihren akzeptablen M‑Wert erreichen. Ein Gradientfaktor wird als Prozentsatz des M-Wert-Gradienten definiert und liegt zwischen 0 und 100 %.
Eine häufig verwendete Kombination ist GF Low 30 % und GF High 70 %. (Auch geschrieben als GF 30/70) Diese Einstellung bedeutet, dass der erste Stopp erfolgen würde, sobald das Leitgewebe 30 % seines M-Wertes erreicht hat. Je niedriger die erste Zahl ist, desto weniger Übersättigung ist erlaubt. Demzufolge ist der erste Stopp erforderlich, wenn du tiefer bist. Ein Gradientfaktor von 0 % steht für die Umgebungsdrucklinie und ein Gradientfaktor von 100 % für die M-Wert-Linie.
In der folgenden Abbildung ist der GF Low auf 30 % eingestellt und die führenden Gewebekompartimente reagieren auf die 30 %-Grenze des M-Wertes. In dieser Tiefe findet der erste Dekompressionsstopp statt.

Im Laufe des weiteren Aufstiegs verändert sich der GF von 30 % auf 70 %. GF 70 gibt an, wie hoch die Übersättigung sein darf, wenn du an der Oberfläche ankommst. Je niedriger der Wert „GF High“ ist, desto länger muss ein Stopp in geringerer Tiefe sein, um vor dem Auftauchen zu entgasen. In der folgenden Abbildung ist der GF High auf 70 % eingestellt und die führenden Gewebekompartimente reagieren auf die 70 %-Grenze des M-Wertes.
An diesem Punkt kannst du an die Oberfläche zurückkehren und deinen Tauchgang beenden.

Wie sich „GF Low %“ auf das Tauchprofil auswirkt, wird in der folgenden Abbildung veranschaulicht. Sie zeigt, wie „GF Low %“ die Tiefe des ersten Dekompressionstopps bestimmt und in welcher Tiefe sich der Aufstieg zu verlangsamen beginnt. Die Abbildung zeigt, wie die verschiedenen GF Low %-Werte die Tiefe des ersten Stopps verändern. Je höher der GF Low %-Wert ist, desto geringer ist die Tiefe beim ersten Stopp.

Wenn der GF Low %-Wert zu niedrig ist, kann es sein, dass einige Gewebe beim ersten Stopp noch begast sind.
Wie sich „GF High %“ auf das Tauchprofil auswirkt, wird in der folgenden Abbildung veranschaulicht. Sie zeigt, wie „GF High %“ die Dekompressionszeit bestimmt, die in der flachen Phase des Tauchgangs verbracht wird. Je höher der GF High %-Wert ist, desto kürzer ist die Gesamttauchzeit und desto weniger Zeit verbringt der Taucher im flachen Wasser. Wenn „GF High %“ auf einen niedrigeren Wert eingestellt ist, verbringt der Taucher mehr Zeit im flachen Wasser und die Gesamttauchzeit verlängert sich.

Folgende Gradientfaktoren können angepasst werden: Die standardmäßige Konservatismuseinstellung im Suunto Nautic-Tauchcomputer ist auf „Mittel“ (40/85) festgelegt. Du kannst die Einstellung so anpassen, dass sie aggressiver oder konservativer als der Standardwert sind. Wähle aus den voreingestellten Stufen aus oder stelle deine eigene Stufe ein.
Die voreingestellten Werte lauten wie folgt:
Niedrig: 45/95
Mittel: 40/85 (Standard)
Hoch: 35/75
Bei Sporttauchgängen erhältst du bei einer hohen Konservatismuseinstellung (35/75) mehr Puffer, um Dekompressionsanforderungen zu vermeiden. Bei niedriger Konservatismuseinstellung (45/95) erhältst du mehr Nullzeit, jedoch einen geringeren Puffer, sodass es sich um eine aggressivere Einstellung handelt.

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die deine Anfälligkeit für DCS beeinflussen können, wie z. B. dein persönlicher Gesundheitszustand und dein Verhalten. Diese Risikofaktoren sind von Taucher zu Taucher, aber auch von Tag zu Tag verschieden.
Zu den persönlichen Faktoren, die ein erhöhtes DCS-Risiko mit sich bringen, gehören:
- Unterkühlung durch niedrige Temperaturen – Wassertemperatur unter 20 °C (68 °F)
- Unterdurchschnittliches Fitnessniveau
- Alter, vor allem bei Tauchern über 50
- Erschöpfung (durch Übertrainieren, Schlafmangel, anstrengende Reise)
- Dehydrierung (beeinflusst den Kreislauf und kann das Entgasen verlangsamen)
- Stress
- Eng anliegende Ausrüstung (kann das Entgasen verlangsamen)
- Übergewicht (ein BMI, der als fettleibig gilt)
- Offenes Foramen ovale (PFO)
- Sport vor oder nach dem Tauchen
- Anstrengende Aktivitäten während des Tauchgangs (erhöht den Blutfluss und führt dem Gewebe mehr Gas zu)
Verändere die Gradientfaktorwerte erst, wenn du verstanden hast, wie sie sich auswirken. Bestimmte Einstellungen des Gradientfaktors können ein hohes Risiko für die Dekompressionskrankheit oder Verletzungen zur Folge haben.